Open/Close Menu Strafrecht | Verkehrsrecht | Versicherungsrecht in Berlin
Vorsatz und grobe Fahrlässigkeit beim Car-Sharing
Carsharing – „Schäden am Fahrzeug immer melden!“
100% v. 1 Stimme(n)

Mit der Zahl der Carsharingnutzer steigen auch die gemeldeten Schadensfälle an den Fahrzeugen. Denn Kratzer und Dellen an den Boliden sind keine Seltenheit und schlagen finanziell mächtig zu buche. Dabei stellt sich dem Nutzer immer wieder die Frage, wer für Schäden an dem gemieteten Fahrzeug aufzukommen hat. Die Antwort auf diese und andere Fragen findet sich – wie so häufig – im Kleingedruckten.

Unfälle oder Schäden, die während der Fahrt eintreten, sind dem Anbieter umgehend mitzuteilen, heißt es in den Vertragsbedingungen. Oftmals besteht weiterhin die Pflicht, auch bei geringen Mängeln, die Polizei zu verständigen, die den Unfall protokolliert. Dabei stellen sich dem Nutzer in der Praxis eine Reihe von Fragen, denen hier nachgegangen werden soll:

Muss ich meinem Carsharing-Anbieter einen Schaden sofort melden, auch wenn ich ihn nicht verursacht habe?

Aufgrund der Allgemeinen Geschäftsbedingungen ist der Nutzer bei den großen Anbietern sogar verpflichtet den Wagen vor Fahrantritt auf mögliche Mängel zu kontrollieren. So heißt es etwa in § 6 Abs. 3 der Allgemeinen Geschäftsbedingungen von car2go:Der Kunde ist verpflichtet, das car2go Fahrzeug vor Fahrtantritt auf sichtbare Mängel, Schäden und grobe Verunreinigungen zu überprüfen und diese telefonisch oder über die car2go App an car2go zu melden“ (Stand: Oktober 2016). Ähnliche Formulierungen finden sich auch bei DriveNow und Flinkster. Ein kurzer Rundgang um das Fahrzeug soll dabei grundsätzlich ausreichend sein.

Wer haftet für Schäden, die von dem Nutzer vor Fahrtantritt nicht festgestellt und gemeldet worden sind?

„Gibt der Nutzer keine Neuschäden ein, gilt das Fahrzeug  als optisch und technisch einwandfrei“, heißt es beispielsweise in Ziffer 7.2 der Allgemeinen Geschäftsbedingungen der DriveNow GmbH & Co.KG. Im Umkehrschluss bedeutet dies,  dass der Nutzer auch für Schäden haftet, die er unter Umständen nicht selbst verursacht hat.

Auch bei car2go muss im Zweifelsfall der Nutzer beweisen, dass er den Schaden nicht zu verantworten hat. Denn gem. § 14 Abs. 9 der AGBs gilt, dass für einen vorhandenen Schaden nur dann keine Gebühren fällig werden, „soweit der Kunde nachweist, dass er für den Schaden nicht verantwortlich ist, dass kein Schaden entstanden ist bzw. der tatsächlich entstandene Schaden wesentlich geringer ist als die Gebühr.“

Flinkster nimmt seine Kunden ebenfalls in die Haftung, wenn diese Pflichten aus dem Kundenvertrag verletzen, worunter auch die fehlende Meldung von Vorschäden fällt (so § 16 Allgemeine Geschäftsbedingungen Flinkster, Stand: 15.11.2014).

Der Selbstbehalt variiert von Anbieter zu Anbieter

Carsharing-Fahrzeuge sind generell rundum versichert und die Versicherung ist bei den führenden Anbietern im Preis schon mit enthalten. Doch wer einen Unfall oder einen Schaden verursacht, haftet bis zu einer gewissen Summe immer mit. Der Selbstbehalt unterscheidet sich bei den verschiedenen Anbietern stark, so dass auch eine kleine Schramme schnell sehr teuer werden kann. So muss ein Nutzer, der sich für DriveNow entschieden hat, mit einem Betrag von 350 € für den Selbstbehalt rechnen, wie es in Ziffer 8.3 der Allgemeinen Geschäftsbedingungen von DriveNow heißt (Stand: November 2016).

Bei car2go liegt der Selbstbehalt schon deutlich höher: hier werden, abhängig vom Fahrzeugtyp, von 500 € für einen Smart und bis 1000 € für ein Fahrzeug der Marke Mercedes Benz fällig (§12 Abs.2 AGB).

Noch tiefer in die Tasche greifen müssen die Kunden von Flinkster. Aus  §13 der Allgemeinen Geschäftsbedingungen und der bundesweiten Tarifliste (Stand: Januar 2016)  lassen sich 1500 € Selbstbeteiligung für den Schadensfalls entnehmen.

Tipp: Die Selbstbeteiligung kann bei fast allem Anbietern  gegen Aufpreis reduziert werden. Das lohnt sich vor allem für Dauerkunden. So kann beispielsweise der Selbstbehalt bei car2go durch eine monatliche Pauschale von 9,90 € ganz entfallen. Flinkster bietet ein Jahrespaket für 90 €, mit dem der Selbstbehalt auf 300 € reduziert werden kann. Zu beachten ist allerdings, dass sich dieses Sicherheitspaket um ein weiteres Jahr verlängert, wenn die Kündigungsfrist von 6 Wochen vor Quartalsende nicht eingehalten wird. DriveNow hat bereits seit 2016 den Selbstbehalt für alle Kunden  von 750 € auf 350 € reduziert.

Fazit:

  1. Die Vertragsbedingungen vor Fahrtantritt lesen
  2. Nach Möglichkeit auf die Selbstbeteiligung ganz verzichten
  3. Vor Fahrtantritt das Fahrzeug auf Kratzer, Dellen oder andere offensichtliche Mängel unter Hinzuziehung von Zeugen überprüfen und diese gegebenenfalls melden
  4. Im Zweifelsfall das Fahrzeug ablehnen

Verwandte Beiträge:

Schwarzfahren in Berlin Verkehrsrecht: Fachanwalt für Verkehrsrecht uns Strafrecht in Berlin informiert. Schwarzfahren in Berlin - was droht? Wer öffentliche Verkehrsmittel...
Brandanschläge auf Pkws in Berlin Der Berliner Marcus L. traute  seinen Augen nicht, als er durch das Martinshorn der Berliner Berufsfeuerwehr aufgeschreckt, aus dem Fenster sah und se...
Kfz-Navigationsgerät und Diebstahl in der Teilkask... Diebstahl des Kfz-Navigationsgerätes – Rechtsanwalt Gregor Samimi, Fachanwalt für Versicherungsrecht und Verkehrsrecht in Berlin klärt auf. Kfz-Navig...
Punktehandel im Internet und seine Folgen Punktehandel im Internet und seine Folgen Punktehandel im Internet: Im Internet existiert ein Markt, der es Verkehrssündern ermöglicht sich von drohe...
Schreiben Sie einen Kommentar:

*

Your email address will not be published.

Wir beraten Sie gerne 030 - 8860303

Rufen Sie uns einfach an oder senden Sie uns eine Nachricht!

Ihr Name
Ihre E-Mail-Adresse
Rückrufnummer
Betreff
Ihre Nachricht
logo-footer

BESUCHEN SIE UNS AUF: