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Verkehrsrechtsschutzversicherung: „Viel Schutz für wenig Geld!“
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Verkehrsrechtsschutzversicherung: Ein Fall aus der anwaltlichen Praxis

Karsten D. war auf seiner morgendlichen Jogging-Runde, als er die Straße bei Grün überqueren wollte und von einem Fahrradfahrer erfasst wurde. Durch den Aufprall wurde er in einen Graben der Berliner Wasserwerke geschleudert und brach sich Nase, Kiefer und Jochbein. Außerdem verlor er einige Zähne und litt fortan unter Kopfschmerzen. Doch das Schlimmste war für D. der zermürbende Rechtsstreit, der nun folgte. Denn der Haftpflichtversicherer des Radfahrers bestritt, dass die Verletzungen vom Unfall herrührten, und für die medizinischen Gutachten, die den Beweis hätten liefern können, hätte D. 5.000 Euro Vorschuss an das Landgericht Berlin zahlen müssen. Da ihm das Risiko zu hoch war, ließ sich D. am Ende auf einen Vergleich ein, der ihm lediglich ein kleines Schmerzensgeld zusprach und einen finanziellen Ausgleich für Folgeschäden ausschloss.

Anders wäre die Sache wohl ausgegangen, wenn D. eine Verkehrs-Rechtsschutzversicherung gehabt hätte. Diese hätte alle Kosten der Rechtsvertretung übernommen, einschließlich der 5.000 Euro für die Sachverständigen-Gutachten.

Stiftung Warentest: Die Investition lohnt sich

Davon, dass sich die Investition lohnt, ist auch die Stiftung Warentest überzeugt: Ihre Untersuchung von 106 Tarifen von 27 Rechtsschutzversicherungen übertitelt sie in ihrer Zeitschrift Finanztest mit der Überschrift „Viel Schutz für wenig Geld“ (Finanztest 10/2015, S. 13 ff.). Tatsächlich ist das Preis-/Leistungsverhältnis bei Verkehrsrechtsschutz-Policen ausgesprochen gut. Ab 36 Euro Jahresbeitrag sind Tarife für Alleinstehende zu haben, und Familienversicherungen gibt es ab 65 Euro pro Jahr.

Als Gegenleistung werden fast alle Kosten für Rechtsstreitigkeiten aus dem Bereich Verkehr übernommen: Die Durchsetzung von Schadensersatz- und Schmerzensgeldansprüchen, die Verteidigung bei fahrlässig begangenen Straftaten, die Vertretung bei Bußgeldverfahren oder im Vertrags- und Sachenrecht, wie zum Beispiel bei Ärger nach dem Kauf eines Gebrauchtwagens oder dem Gebrauch eines Mietwagens. Versichert sind der Halter des Autos und seine Familie nicht nur als Autoinsassen, sondern auch als Fußgänger, Radfahrer oder Mitfahrer der öffentlichen Verkehrsmittel, und auch, wer kein Auto besitzt, kann sich versichern lassen.

Übernommen werden die Kosten für den eigenen Anwalt in der außergerichtlichen und der gerichtlichen Auseinandersetzung, und, sofern wegen Unterliegens nötig, auch die Kosten für den gegnerischen Anwalt sowie die Gerichts- und Gutachterkosten.

Wie hoch diese Kosten sein können, illustriert Finanztest auf Seite 14 anschaulich: Wer zum Beispiel auf ein Schmerzensgeld in Höhe von 25.000 Euro klagt und verliert, müsste nach der ersten Instanz 6.480 Euro zahlen, nach der zweiten Instanz 13.265 Euro und nach der dritten Instanz 22.300 Euro.

Die meisten Verkehrsrechtsschutz-Tarife sind gut oder sehr gut

Erfreulich: Beim Abschluss einer Versicherung kann der Verbraucher nach Einschätzung von Finanztest nicht viel falsch machen. Denn von 106 getesteten Tarifen schnitten 16 mit sehr gut und 74 mit gut ab. Testsieger mit sehr guten Ergebnissen in allen Lebenssituationen sind Advocard, Allrecht/Deurag, Auxilia, Deurag und DEVK. Aber auch die guten Tarife sind laut Finanztest empfehlenswert und teilweise deutlich günstiger als die sehr guten.

Weniger gut: Das Regulierungsverhalten mancher Versicherer

Die meisten Anwälte würden dieser Einschätzung wohl grundsätzlich zustimmen, denn auch für sie ist die Kostenübernahme-Sicherheit durch Versicherungen von Vorteil – zumindest in den meisten Fällen. Denn zum Nachteil wird die Zusammenarbeit mit dem Versicherer, wenn dieser versucht, sich um die Übernahme der Kosten zu drücken.

Wie groß der Frust über das Regulierungsverhalten einiger Versicherer unter den Anwälten ist, lässt sich dem RSV-Blog (www.rsv-blog.de) entnehmen. Dort berichten Anwälte zum Beispiel von Versuchen der Versicherer, die Gebühren des Anwalts nicht voll zu übernehmen, oder den Versicherungsnehmer auf einen günstigeren Kooperationsanwalt des Versicherers umzuleiten. So berichtet „RA S.“ von internen Arbeitsanweisungen in manchen Versicherungen, wonach bei jeder Rechnung grundsätzlich „nachzuregulieren“ sei, und „Nils K.“ vermutet hinter manchem Verhalten der Versicherer eine Strategie, „durch “Querulanz” aus der Leistung herauszukommen bzw. ggf. durch diese Querulanz ihren Versicherungsnehmer auf einen anderen Rechtsanwalt zu steuern.“

Als weitere Entscheidungshilfe kann daher die Zufriedenheit der Rechtsanwälte mit den Versicherungen dienen, denn sie haben täglich mit den Versicherungen zu tun und können beurteilen, welches Unternehmen unkompliziert Rechtsschutz gewährt und wer eher zögerlich zahlt.

Auch Julia von Seltmann, Geschäftsführerin der Bundesrechtsanwaltskammer, berichtet, es gäbe punktuell Hinweise von Anwälten, dass das Regulierungsverhalten schwierig sei und einige Rechtsschutzversicherer die Gebühren kürzten. Außerdem versuchten die Versicherer vielfach, die Beauftragung des Rechtsanwalts durch den Versicherungsnehmer zu steuern, indem Empfehlungen abgegeben würden. „In einigen Fällen könnte dadurch das Recht auf freie Anwaltswahl eingeschränkt sein“, meint von Seltmann.

Beschwerdestatistik der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht für 2014

Bei der Suche nach der besten Versicherung helfen neben Studien der Stiftung Warentest auch Beschwerde-Statistiken wie die der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht, kurz Bafin. Hier können sich Interessierte darüber informieren, welches Unternehmen in den letzten Jahren bei seinen Kunden für besonders viel oder besonders wenig Ärger sorgte.

Hörbeitrag der Stiftung Warentest

“Wer eine Verkehrsrechtschutzversicherung hat, der erspart sich nach einmal Unfall zwar nicht den Ärger, aber die Kosten eines Rechtsstreits werden übernommen. Und es gibt eben häufiger Rechtsstreitigkeiten nach einem Unfall. Das kann auch Fußgängern so gehen und auch Radfahrern. Finanztest hat hundertsechs Tarife von siebenundzwanzig Rechtsschutzversicherern und drei Verkehrsclubs untersucht: Sechzehn Tarife sind “Sehr gut”, vierundsiebzig Tarife sind “Gut”. Und auch die guten Tarife sind empfehlenswert und vor allen Dingen gibt es da auch sehr günstige Angebote.” (Finanztest-Redakteurin Susanne Meunier) Länge: 26 Sek.

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