KfZ-Gutachter
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KfZ-Gutachter: „Was ich über ein Kfz-Gutachten wissen sollte!“

Kfz-Gutachter
Kfz-Gutachter

Nach einem Verkehrsunfall bleibt häufig ein Sachschaden zurück. Wie hoch die Kosten der Reparatur sein werden, lässt sich für einen Laien nur schwer abschätzen. Das liegt vor allem daran, dass die Schäden nicht immer äußerlich zu erkennen und die Kosten für Ersatzteile nicht geläufig sind. Hier helfen sogenannte Kfz-Gutachter. Diese Sachverständigen verfügen über eine besondere Sachkunde und können nach der Inspizierung des Fahrzeugs recht genau feststellen, in welchem Rahmen sich der Schaden bewegt. Die Feststellungen des Sachverständigen werden dann in einem Gutachten dokumentiert. Das klingt auf den ersten Blick alles ganz einfach, doch hier drohen Kostenfallen. Damit Sie diese umgehen können, zeigt Ihnen dieser Beitrag einige Besonderheiten beim Kfz-Gutachten und worauf Sie bei der Wahl eines Sachverständigen achten müssen.

Was ist ein Kfz-Gutachten?

Das Kfz-Gutachten ist ein Urteil des Sachverständigen über den Zustand Ihres verunfallten Wagens. Der Gutachter trifft in dem Gutachten Feststellungen zum aktuellen Ist-Zustand und zieht daraus seine Schlüsse. Es beinhaltet alle wesentlichen Daten: Angaben zur Verkehrssicherheit und Fahrtüchtigkeit des Unfallfahrzeugs, Ausführungen zu reparierten und nicht reparierten Vorschäden, Beschreibung des Zustands des Fahrzeugs, Abbildungen von dem Fahrzeug und den Schäden, Restwert, Wertminderung und Angaben zum Nutzungsausfall, usw. Dabei greift der Gutachter auf seine Fachkenntnis, Erfahrung und aktuelle Zahlen für Stundenverrechnungssätze zurück. So können die Kosten exakt beziffert werden.

Was kostet ein Gutachten?

Steht bereits fest, dass Sie unverschuldet in den Verkehrsunfall geraten sind, ist das Gutachten für Sie kostenlos. Die Gebühren trägt der Unfallverursacher bzw. seine Kfz-Haftpflichtversicherung. Das gilt auch dann, wenn Sie sich einen Sachverständigen frei gewählt haben. Erteilen Sie privat einen Auftrag, müssen Sie die Kosten für das Gutachten übernehmen. Es werden vor allem Gebühren für die Sachverständigentätigkeit fällig. Eine Gebührenordnung existiert nicht. Der Sachverständige kann ein Honorar in Rechnung stellen, das an das Sachgebiet, die Schwierigkeit, den Umfang und die Besonderheiten des Falls angepasst sind. Sie sollten unbedingt vor Beginn der Tätigkeit des Gutachters das Honorar vereinbaren.

Was gilt bei Bagatellschäden?

Liegt der Schaden unter dem Wert von 750 Euro spricht man von einem Bagatellschaden. In einem solchen Fall werden die Kosten für das Gutachten nicht erstattet. Bei einem Schaden über 750 Euro ist die Erstellung eines Gutachtens ratsam. Beläuft sich der Unfallschaden lediglich auf 300 Euro, ist ein Kostenvoranschlag die bessere Alternative. Doch wie so häufig weiß man vor der Begutachtung durch einen Sachverständigen nicht, wie hoch der Schaden sein wird. Wie geht man am besten vor? Ein seriöser und unabhängiger Sachverständige wird sich Ihren Wagen anschauen und relativ schnell abschätzen können, ob es sich um einen eindeutigen Fall handelt. Dementsprechend wird er Ihnen zu einem Gutachten oder einem Kostenvoranschlag raten. Sollte ein Bagatellschaden jedoch nicht sicher zu erkennen sein, lohnt sich ein Gutachten. Schließlich ist der Kostenvoranschlag qualitativ nicht mit der Erstellung eines Gutachtens zu vergleichen. Bei einem Kostenvoranschlag begutachtet der Werkstattmeister das Fahrzeug und dokumentiert seine Beobachtungen. Daraus lassen sich die Reparaturkosten ungefähr ermitteln. Weitere Ausführungen enthält der Kostenvoranschlag jedoch nicht. Ein weiterer Nachteil ist, dass die Versicherung sich häufig auf den Kostenvoranschlag beruft. Fallen die Kosten letztlich höher aus, laufen Sie Gefahr, auf den Kosten sitzen zu bleiben. Der Kostenvoranschlag hat einen finanziellen Vorteil: er kostet oft nicht mehr als 100 Euro. Einige Sachverständige bieten für diese Situation eine kundenfreundliche Lösung: Sie erstellen ein Kurz-Gutachten. Das ist qualitativ mit einem vollwertigen Gutachten vergleichbar. Es enthält lediglich keine Ausführungen zur Wertminderung und Nutzungsausfallkosten. Verrechnet wird allerdings auf Grundlage eines günstigen Kostenvoranschlags. So geht der Unfallbeteiligte kein Risiko ein, auf den Kosten des Gutachtens sitzen zu bleiben. Erweist sich sein Unfallschaden als Bagatelle, zahlt die gegnerische Versicherung zwar nicht, aber die Kosten halten sich mit rund 100 Euro in Grenzen. Ergibt das Kurz-Gutachten einen Schaden von über 750 Euro, existiert bereits ein Gutachten, das nur noch um die zwei fehlenden Faktoren ergänzt werden muss. Die Kosten für das Gutachten trägt die gegnerische Versicherung.

Was sollte ich bei der Wahl eines Kfz-Gutachters beachten?

Die Bezeichnung des Sachverständigen ist in Deutschland nicht geschützt. Folglich darf sich jeder als freier Sachverständiger bezeichnen, der sich dafür geeignet hält. Eine Qualität der Arbeit wird dadurch nicht garantiert. Hierin liegt die Gefahr auf der Suche nach einem geeigneten Gutachter. Woher sollen Sie dann wissen, welcher Sachverständige besonders qualifiziert ist? Es ist möglich, dass Sie an einen Gutachter gelangen, der nicht die erforderliche Fachkenntnis aufweist. Um diese Gefahr einzudämmen, sollten Sie bei der Wahl eines Gutachters einige Dinge im Blick haben. Der Begriff des Sachverständigen sagt zwar nichts über die Qualifizierung des Gutachters aus, allerdings gibt es Zusätze in der Bezeichnung, die auf eine besondere Qualität des Sachverständigen hinweisen. Dadurch können die Sachverständigen unterschieden werden. Erfüllt der Sachverständige die Voraussetzungen der besonderen Sachkunde, Unabhängigkeit, Objektivität und Vertrauenswürdigkeit kann der Sachverständige von einer öffentlich-rechtlichen Institution öffentlich bestellt und vereidigt werden. Sie sollten also darauf achten, einen öffentlich bestellten und vereidigten Sachverständigen mit einem Gutachten zu beauftragen. Dies sind geprüfte Sachverständige, die besonders qualifiziert sind. Die Gutachter führen die entsprechende Bezeichnung und sind im Besitz eines offiziellen Ausweises. Sie können also auf Nummer sicher gehen und sich den Ausweis vorzeigen lassen. Bietet Ihnen die gegnerische Kfz-Haftpflichtversicherung an, einen Gutachter zu beauftragen, sollten Sie wachsam sein. Gutachter, die mit der Versicherung zusammenarbeiten, nehmen mitunter vordergründig die Interessen des Auftraggebers wahr. Dementsprechend wird das Gutachten ausfallen. Beauftragen Sie daher einen unabhängigen Sachverständigen, der unvoreingenommen ist und objektiv das Gutachten erstellt. Sie können sich bei den staatlichen Stellen (Handelskammer, Industriekammer, Handwerkskammer, …) über öffentlich bestellte Sachverständige informieren. Auf Anfrage kann ein geeigneter Gutachter gefunden werden. Bei der Suche nach einem geeigneten Gutachter können Sie sich auch von unserer Kanzlei beraten lassen. Wir arbeiten schon lange mit vertrauensvollen öffentlich bestellten und vereidigten Gutachtern zusammen, die wir Ihnen weiter empfehlen können.

Der Autor Rechtsanwalt Gregor Samimi ist Fachanwalt für Strafrecht, Fachanwalt für Verkehrsrecht und Fachanwalt für Versicherungsrecht in Berlin Steglitz-Zehlendorf. Tel.: 030-8860303.

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